Vor etwas mehr als zwei Wochen bin ich zum dritten Mal an den Punkt gekommen, übermüdet, verzweifelt und wild entschlossen zu sagen (mehr schreien): Es reicht jetzt!!! Ich hab keinen Bock mehr!! Auf Stillen, auf anderthalbstündiges Aufwachen in der Nacht, gefolgt mit dem Verlangen einer Flasche, Wutausbrüche, wenn wir diese ablehnen, also nachgeben und somit regelmäßig morgens alles nass im Bett vorfinden, weil wo viel reinkommt, muss auch viel wieder raus. Ich wollte, dass unsere Tochter nach über einem Jahr in ihrem eigenen Bett im eigenen Zimmer schläft und stattdessen mein Freund wieder ins Schlafzimmer „einzieht“.

Schon seit Mitte Februar will ich nicht mehr stillen und hatte die Hoffnung, dass mein Freund mir die Aufgabe des Abstillens abnimmt. Irgendwie hatten wir aber einfach keinen Plan, wie zur Hölle das klappen soll – mit einem Kind, das abends gegen 22 Uhr und morgens um 6 zum Aufwachen gestillt wird und dazwischen drei (kleine, ca. 150 ml) Flaschen bekommt. 

Erfolglose Suche nach Ratgebern und handfesten Tipps
Im Internet findet man alles mögliche wie meinen Beitrag jetzt hier: Erfahrungsberichte von müden Müttern und Vätern, wenig konkretes jedoch, keine Fahrpläne, keine Anweisungen von Ärzt*innen und Hebammen. Ich musste also dreimal „ausrasten“, bis wir an Ostern – beide mit Laptop zwecks Recherchegründen bewaffnet – und mit den Worten meiner Hebamme in den Ohren entschieden haben: Wir wollen die Nächte ändern.

Vorweg sei gesagt: Tagsüber stille ich schon seit Monaten nicht mehr, auch zum Einschlafen nicht. 

Abstillen – so hat es bei uns geklappt

Wichtige Frage, mit der alles steht oder fällt: Was trauen wir unserem Kind zu?
Wir haben viel überlegt: Was trauen wir unserem Kind zu? Unsere Antwort war: Sie schafft es nicht die ganze Nacht ohne Milch; wir geben ihr eine Flasche, bevor wir selbst ins Bett gehen, und dann kriegt sie erst wieder morgens was. Heißt konkret: Das Aufwachen zwischen 22 und 23 Uhr nehmen wir zum Anlass, ihr eine große 200-ml-Flasche zu geben, danach ist bis 6 Uhr Schluss. Damit die Zahnhygiene zumindest teilweise gegeben ist, versuche ich, ihr nach der Flasche immer noch einen Schluck Wasser zu geben, damit es „durchspült“.

Ändert alles: alleine – oder nennen wir es – “begleitet alleine” einschlafen
Ich habe am selben Tag, an dem wir uns unseren Routinenwechsel für die erste Nacht vorgenommen haben, noch eine andere Sache eingeführt – und das erzähle ich deshalb, weil es meiner Meinung nach absolut hilfreich war in Kombination mit dem Abstillen (besser noch: schon vorher üben): das “begleitet alleine” einschlafen. Bisher bin ich mit Antonia auf dem Arm durch das dunkle Schlafzimmer gelaufen (wehe ich setze mich hin, oh oh!), bis sie eingeschlafen war, erst dann habe ich sie abgelegt.

Jetzt lautete die Aufgabe: Sie soll selbst einschlafen, im Bett, während wir “nur” daneben sitzen und ihre Hand halten, für sie summen und leise mit ihr reden, wenn es nötig ist. Wir haben neue Rituale eingeführt, ein Klangschalen-Konzert als „Schlafmusik“, den Kuscheltieren im Bett gute Nacht sagen (meine Worte: „Schau, die liegen hier alle schon ganz friedlich und schlafen, so wie du jetzt gleich, psst, wir müssen ganz leise sein, shhhhh“). Der erste Abend war schlimm. Es wäre gelogen zu sagen, dass sie nicht wie am Spieß gebrüllt hätte. Ich habe sie mehrmals vom Bett auf den Arm genommen und ihr – unter ohrenbetäubendem Geschrei – erklärt, dass sie das kann, alleine einzuschlafen, dass ich sie nicht mehr tragen kann, weil sie immer größer wird. 

Abstillen – so hat es bei uns geklappt

Es war so schlimm für mich, dass mir nach 45 Minuten selbst die Tränen liefen, während die kleinen Babyhände sich aus dem Gitterbett mir entgegen streckten wie aus einer Gefängniszelle. Ich habe jeden einzelnen Blogpost oder Kommentar, den ich vorher gelesen hatte, verflucht, der sagt: „Die ersten Nächte werden hart, aber danach wird es besser.“ Was genau heißt hart? Wieso wird das mal wieder überall außen vorgelassen, auszusprechen WIE hart es ist, seinem schreienden Kind im Bett zuzugucken? Am Ende war sie so erschöpft und müde, dass der Kopf immer wieder aufs Bett sank und sie, meine Hand fest haltend, schließlich eingeschlafen ist. Mir war schlecht, und ich habe meinem Freund für die folgende Nacht alles Gute gewünscht. Er hat auf einer Matratze im Kinderzimmer geschlafen, sie nachts zu sich geholt, als sie geweint hat, konnte das 2-Uhr-Aufwachen nach ein bisschen Gequengel ohne weitere Flasche „beenden“, aber sagte, dass sie ab 4 Uhr eine Stunde lang geweint (in unserem Fall ist weinen mehr brüllen) hat, sodass er ihr schließlich eine kleine Flasche gegeben hat. Sie hat dann nochmal bis 7 Uhr geschlafen. Für uns war das schon ein großer Erfolg: „nur“ eine große Flasche (gegen 22 Uhr) und eine kleine, denn: Sie ist abends ja alleine eingeschlafen.

Große Überraschung: schon die zweite Nacht läuft viel besser

Am nächsten Abend die große Überraschung: Zum Einschlafen gab es schon kein Weinen mehr. Zwar wurde 45 Minuten lang der Hampelmann gemacht und ich habe mehrmals „streng“ gesagt: „Schluss jetzt, hinlegen, es ist Schlafenszeit.“ Und so wurde das alleine einschlafen wirklich von Nacht zu Nacht besser, sodass es nach 2 Wochen schon nur noch 15 Minuten braucht, bis sie schläft. Und: Wir können jetzt auch den Mittagsschlaf im Bett machen! Sie kann ja jetzt alleine einschlafen. Es ist so eine große Erleichterung!

Abstillen – so hat es bei uns geklappt

Auch die Abende sind plötzlich ruhiger
Mein Freund hat die ersten drei Nächte im Kinderzimmer geschlafen, damit ich gar nicht in Reichweite bin. Schon in der zweiten Nacht brauchte er keine „Notfallflasche“ für 4 Uhr mehr; es reichte die eine, die wir ihr um ca. 22.30 geben. Generell fand ich überraschend, dass auch die Abende viel ruhiger sind. Vorher ist Antonia maximal nach 90 Minuten nach dem Einschlafen wach geworden, hat gequengelt, brauchte ihren Schnuller oder wollte auf den Arm, um wieder einschlafen zu können. Durch unser „Alleine-einschlafen-Training“ kriegt sie das jetzt die ganze Nacht über alleine hin – und wacht nur noch alle 3–4 Stunden wirklich „richtig“ auf und braucht uns dann. 

Es hat sich aktuell so eingependelt, dass sie wie gesagt gegen 23 Uhr ihre Flasche kriegt, dann bis 2 oder 3 schläft, ich dann kurz bei ihr sitze, bis sie mit Handhalten wieder einschläft. Wenn das nicht klappt, hole ich sie zu uns; spätestens ab 4 Uhr will sie nicht mehr alleine sein und weint so lange, bis sie bei uns im Bett nochmal einschläft. Leider ist dann meist nicht mehr so viel drin: 5.30 ist die Aufstehzeit, meines Erachtens nach viel zu früh. Ich hätte gerne ein Kind, das bis 7 Uhr schläft, haha! 

Das morgendliche Stillen habe ich ebenfalls eingestellt
Achja, das morgendliche Stillen habe ich nach drei Tagen auch eingestellt. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Wir stehen also gegen 6 Uhr auf (davor weigere ich mich einfach, wir spielen und kuscheln dann im Bett, bis ich einigermaßen bei Sinnen bin), gehen ins Bad, dann ins Wohnzimmer und gegen 7 Uhr gibt es Frühstück. Das klappt super so, und ich bin absolut froh, nicht mehr zu stillen. 

Abstillen – so hat es bei uns geklappt

Ziel für die nächsten Wochen: auch die 23-Uhr-Flasche streichen
Falls meine Hebamme hier mitliest, wird sie mich wahrscheinlich tadeln: Sie hat mir – wie so viele andere auch – empfohlen, einfach direkt alles, was nachts an Nahrung eingenommen wird, einzustellen. „Sie braucht es nicht, Lea“, und das stimmt sicherlich. Ich war skeptisch anfangs, da Antonia keine gute Esserin ist, bzw. war: Denn siehe da, mit dem Einstellen der nächtlichen Milch wurde auch der Appetit tagsüber größer, so als ob mein Kind verstehen würde, dass sie tagsüber mehr essen muss, da es nachts nichts mehr (bzw. wenig) gibt. Ich habe mir das für die nächsten Wochen vorgenommen, die 23-Uhr-Flasche mehr und mehr zu verdünnen, weniger Wasser reinzumachen und irgendwann, wenn ich bereit bin, sie ganz wegzulassen. Fast glaube ich mittlerweile daran, dass die Nächte dann nochmal besser werden, eben weil die Babies verstehen: Wenn ich nichts kriege, muss ich auch nicht aufwachen.

Ich war absolut überrascht davon, wie einfach das Abstillen bzw. Ändern der nächtlichen Gewohnheiten war! Warum soll es also nicht nochmal besser werden, wenn nachts dann plötzlich einfach alles „alle alle“ (spricht mir Antonia dann immer nach) ist.

Abstillen – so hat es bei uns geklappt

Was ich euch als Rat mitgeben kann, ist, die Frage zu klären: Was traut ihr eurem Kind zu? Und: Was ist für euch, als Eltern, tragbar? Ein bisschen angelehnt an die Gordon-Methode: In welchem Zeitraum wollt ihr gerne schlafen, zum Beispiel von 23 bis 6 Uhr? Dann gibt es dann eben auch keine Milch. Letztlich muss jede*r wie immer selbst entscheiden, ob man schrittweise abstillt oder von jetzt auf gleich. Ich glaube, für die Kinder ist es vielleicht sogar einfacher, zu lernen: Es gibt einfach gar nichts mehr nachts. Aber das habe ich mir selbst und meiner Tochter nicht zugetraut, das durchzuziehen. Wir machen es Schritt für Schritt. 

Wie lief das Abstillen bei euch? Wart ihr auch positiv überrascht, wenn es um das Abgewöhnen der Flasche ging? Braucht euer Kind nachts eine Flasche? Akzeptiert ihr das, oder gibt es sie einfach nicht? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!


Liebst,
Lea Lou

Autor

Hey, ich bin Lea Lou, Food-Fotografin, Content-Kreateurin, Mama und Yoga-Lehrerin.

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