Vor einem Jahr habe ich meiner Mama mit einem Blumenstrauß zum Muttertag gratuliert – nichtsahnend, dass ich ein Jahr später selbst meinen ersten Muttertag feiern werde.


Umso verrückter ist es, dass meine kleine Lotte jetzt schon fast drei Monate alt ist und zu uns gehört, als wäre sie immer da gewesen. Die kleine Maus hat mein Leben auf den Kopf gestellt, und auch wenn die Tage mitunter anstrengend sind und das Geweine am Abend groß ist, möchte ich keinen einzigen Tag mit ihr missen.

Das Gefühl, das sich in mir ausbreitet, wenn sie mich mit strahlenden Augen und riesigem Mund anlacht, kann man nicht beschreiben, es muss wahre Liebe und pures Glück in einem sein. Sie bringt uns regelmäßig zum Lachen, wenn sie vor sich hinbrabbelt, auf dem Wickeltisch einen Strampel-Tanz hinlegt, wie ein Seehund auf dem Bauch liegend ihren Kopf hebt und versucht, nach vorne zu robben, oder einfach nur da liegt mit einer Rassel in der Hand, die sie – noch nicht ganz so fit in der Koordination – wild umher schleudert.
Es macht mir so viel Freude, Lottes Mama zu sein und ich bin unendlich dankbar, dass sie bei uns ist.

Gleichzeitig bemerke ich, wie verletzlich ich geworden bin, seit sie auf der Welt ist. Der Klimawandel, Massentierhaltung, Terror auf der Welt und zu mächtige Politiker, die mehr Unheil anrichten als dass sie für Ordnung sorgen, machen mir schwer zu schaffen. Auf Instagram habe ich das ein paar Mal thematisiert und von anderen Mamis (mir bekannte und unbekannte) erfahren, dass es denen genauso geht. Ich glaube, dadurch, das wir unsere größten Lieben, einen Teil von uns, auf der Erde hinterlassen werden, sind wir umso betroffener davon, was mit unserem Planeten passiert.

Ich merke auch, wie schwer es mir fällt, meine „Work-Life-Lotte-Balance“ zu schaukeln. Ich konnte noch nie „nein” sagen zu neuen Herausforderungen, zu Projekten und Arbeit, die mir Spaß macht. Schon seit Jahren habe ich das Gefühl, mich eher zu überlasten statt mal einen Gang runter zu schalten. Ein Kind zu haben, dachte ich, sei endlich der nötige „Grund“, dass ich jetzt aus allem mal raus bin, zumindest so lange ich in Elternzeit bin. Allerdings fällt es mir noch immer schwer, zu Anfragen Nein zu sagen, immer wieder denke ich: Wem ich jetzt absage, der wird sich sicherlich nicht noch einmal melden, wenn die Elternzeit vorbei ist. Es geht mir wenig um Geld dabei, es ist mehr eine Angst, an Können und Kreativität einzubüßen bzw. „unwichtig“ zu werden. Also finde ich mich täglich in einem Gewissenskonflikt zwischen meinem Ehrgeiz und den Bedürfnissen meiner Tochter – was übrigens auch für meine Freizeit gilt. Sobald ich zu viel für mich tue, habe ich ein schlechtes Gewissen; wenn ich mich zu lange mit ihr beschäftige, bin ich – ich entschuldige mich bei ihr für immer, dass ich das so sage – schon mal leicht gereizt von den Baby-Stimmungschwankungen, die in Sekunden von Lachen zu Schreien wechseln können. 

Ich habe in den letzen drei Monaten schon ganz gut am Gleichgewicht gearbeitet, mache Sportkurse mit ihr zusammen, gehe ins Yoga mit ihr, fange jetzt PEKIP an und kuschele in jeder freien Sekunde mit ihr. Gleichzeitig merke ich, dass es mir wahnsinnig viel Energie gibt, sie mal an ihren Papa oder meine Mutter abzugeben, um mal alleine zwei Stunden zu verbringen, in die Sauna zu gehen, schwimmen oder ins Fitnessstudio.

Es ist Wahnsinn, wie viel Energie die kleinen Babies aus einem ziehen – und wie sehr man sie doch einfach liebt, dass das Herz täglich aufs Neue zu platzen droht. Ich freue mich definitiv auf die Zeit, wenn sie alt genug ist, dass sie mal ein Wochenende bei den Großeltern verbringen kann und mein Freund und ich einfach mal ganz in Ruhe „Erwachsenendinge“ tun können: Essen gehen, Wein trinken, vielleicht sogar mal einen Wochenendtrip machen. Gleichzeitig ist die kleine Maus aktuell so süß, dass ich die Zeit anhalten will. Das sage ich übrigens schon seit dem Tag ihrer Geburt, und sie wird einfach immer und immer süßer.

Danke, meine süße Toni Lotta, dass du mich zu einer Mama gemacht hast und dass ich jeden einzelnen Tag mit dir verbringen darf! Ich freue mich so über unser gemeinsames Leben, über jeden Tag, den ich schon mit dir hatte und auf die unzähligen, die noch kommen werden. Ich liebe dich für immer, deine Mami!

Fotos: Katerina Kruska, Instagram: https://www.instagram.com/___katerinak___/

Dieser Post ist auch verfügbar auf: EN

Autor

Hi, I'm Lea Lou, food photographer, recipe artist, yoga teacher, mum-to-be – and always smiling. Have fun on my blog!

Schreibe einen Kommentar

Pin It